Ein Klappmesser lässt sich leicht benutzen, wenn man seine Funktionsweise kennt. Im geöffneten Zustand muss die Klinge sicher gehalten werden, damit sich das Messer gut handhaben lässt. Deshalb sind Klappmesser mit einem Verschluss- oder Verriegelungssystem ausgestattet. Angesichts der vielen verschiedenen Systeme ist ein Leitfaden für alle hilfreich, die sich damit noch nicht auskennen.
Messer mit Platinenverriegelung
Bei Messern mit Platinen beruht die Verriegelung auf Metallplatten aus Stahl oder Titan. Es handelt sich um echte Verriegelungssysteme, die als besonders sicher gelten. Dazu zählen Liner Lock, Frame Lock und Axis Lock.
Liner Lock
Der Liner Lock gehört zu den beliebtesten Verriegelungssystemen. Er besteht im Wesentlichen aus zwei Metallplatinen aus Stahl oder Titan, an denen die Griffschalen befestigt sind. Eine der Platinen ist so geformt, dass sie als Feder wirkt. Bei geöffneter Klinge liegt sie am Klingenansatz an und verhindert, dass das Messer zuklappt. Das System ist einfach zu ver- und entriegeln. Zum Entriegeln wird die federnde Platine mit dem Daumen seitlich weggedrückt; anschließend kann die Klinge mit dem Zeigefinger eingeklappt werden. Bei einigen Modellen gibt ein Knopf die Verriegelungsplatine frei. Der Liner Lock wird häufig mit dem dickeren Frame Lock verwechselt.
Frame Lock
Die Ähnlichkeit zwischen Frame Lock und Liner Lock erklärt, warum die beiden Systeme häufig verwechselt werden. Der Verriegelungsmechanismus ist derselbe. Beim Frame Lock liegt jedoch ein Teil des Griffrahmens am Klingenansatz an. Deshalb wird das System auch Integral Lock genannt. Zum Entriegeln wird die federnde Platine mit dem Daumen weggedrückt und die Klinge freigegeben. Es gibt verschiedene Ausführungen des Frame Lock. Bei einer ist die Platine mit einer Griffschale abgedeckt, bei der anderen nicht. Einen Frame Lock mit Griffschale kann man kaum von einem Liner Lock unterscheiden. Der Frame Lock lässt sich als verbesserte Variante betrachten, zumal seine Platinen meist aus Titan bestehen.
Axis Lock
Der Axis Lock wurde 1998 mit dem Benchmade 710 eingeführt. Er gilt als charakteristisches System für Messer von Benchmade. Andere Marken verwenden jedoch ähnliche Systeme unter anderen Bezeichnungen. Der Axis Lock lässt sich mit beiden Händen und nur einer Hand bedienen, auch mit einer Bewegung aus dem Handgelenk. Die Klinge verriegelt beim Öffnen automatisch, was die Handhabung erleichtert. Zum Entriegeln genügt es, den Axis-Schieber zurückzuziehen. Obwohl der Liner Lock das am weitesten verbreitete Verriegelungssystem ist, gilt der Axis Lock als das sicherere System.
Klappmesser mit Rückenverriegelung
Zu dieser Gruppe gehören Back Lock und Front Lock. Bei diesen Messern erfolgen Verriegelung und Entriegelung über einen federbelasteten Mechanismus.
Back Lock
Back Lock und Lockback bezeichnen ebenso wie Front Lock Systeme mit Rückenverriegelung; Back Lock und Front Lock werden häufig verwechselt. Die beiden Systeme funktionieren gleich. Der einzige Unterschied besteht darin, dass sich die Entriegelung bei einem hinten am Griff (Back) und beim anderen vorn (Front) befindet. Nur zum Entriegeln muss der Nutzer eingreifen: Beim Öffnen des Messers rastet die Klinge automatisch ein. Durch Druck auf den Entriegelungshebel wird die Sperre gelöst und das Messer lässt sich schließen. Die französische Marke Florinox verwendet diesen Mechanismus unter anderem bei ihrem bekannten Modell Kiana.
Der Drehring
Die Verriegelung mit Drehring ist typisch für traditionelle französische Klappmesser. Sie findet sich bei Messern von Nontron und vor allem bei Opinel. Deshalb wird das System auch als Opinel-Drehring bezeichnet. Der Drehring ist ein Stahlring zwischen Klinge und Griff. Er besteht aus einem festen und einem beweglichen Teil. Zum Verriegeln der Klinge wird der Ring von Hand gedreht; zum Entriegeln dreht man ihn zurück.
Das Zwei-Stifte-System
Bei diesem System hält vor allem Reibung die Klinge offen. Es findet sich häufig bei älteren Messern, da es recht einfach aufgebaut ist. Die Klinge reibt an den Griffschalen und bleibt dadurch in geöffneter Position. Ein Stift bildet die Klingenachse, ein weiterer dient dem Klingenansatz als Anschlag. Zu dieser Gruppe gehören das piemontesische Messer und das Capucin-Messer.
Das piemontesische System
Das piemontesische System gehört zu den ältesten Verschlusssystemen für Klappmesser. Messer mit diesem System werden zwar auch Vernantins genannt, müssen aber nicht aus Italien stammen. Auch Higonokami, kleine japanische Klappmesser, sind damit ausgestattet. Messer nach piemontesischer Bauart sind leicht zu erkennen: Am Klingenansatz befindet sich ein Fortsatz, der als Hebel dient. Mit dem Daumen lässt sich daran die Klinge öffnen. Liegt der Fortsatz am Griffrücken an, hält er die Klinge in Position.
Das Capucin-Messer
Das Capucin-Messer erkennt man an seinem Griff, dessen Form an eine Mönchskapuze erinnert. Daher stammt der Name „Capucin“. Es gehört zu den ältesten von Hirten verwendeten Messern und ist einfach und leicht.
Der Verschluss mit Rückenfeder oder Slip-Joint
Zu den Verschlusssystemen mit Rückenfeder gehören der klassische Slip-Joint, der Slip-Joint mit flacher Feder, der Slipit und der Notch Joint. Diese Systeme haben keine echte Klingenverriegelung.
Rückenfeder mit Kerbe
Dieses Verschlusssystem ist Ihnen sicher vertraut. Die Rückenfeder hält bei den meisten regionalen französischen Klappmessern, etwa Laguiole oder Sauveterre, die Klinge offen. Auch Schweizer Taschenmesser wie die von Victorinox sind damit ausgestattet. Das System beruht auf einer Feder im oberen Teil des Griffs. Sie drückt gegen den Klingenansatz und verhindert so ein versehentliches Schließen. Ein leichter Druck auf den Klingenrücken genügt jedoch, um das Messer wieder zuzuklappen. Die Klinge ist also nicht wirklich verriegelt und kann jederzeit einklappen.
Flache Rückenfeder
Der Unterschied zwischen einer Rückenfeder mit Kerbe und einer flachen Rückenfeder ist die Einkerbung am Federende, das den Klingenansatz berührt. Durch diese Kerbe wird die Klinge besser gehalten.
Die Systeme von Spyderco
Hier sind die verschiedenen Verriegelungssysteme der amerikanischen Marke Spyderco zusammengefasst. Es sind zwei Systeme, die im Wesentlichen auf Druckwirkung beruhen: Ball Bearing Lock und Compression Lock.
Ball Bearing Lock
Wie der Name schon sagt, beruht der Ball Bearing Lock auf einer Kugel. Das System wurde von Spyderco entwickelt, einer bekannten amerikanischen Marke mit einer Spinne als Logo. Eine Kugel wird durch einen Stößel gegen die Klinge gedrückt. Sie ist auf beiden Seiten sichtbar, sodass sich das System mit beiden Händen bedienen lässt.
Compression Lock
Dies ist ein weiteres von Spyderco entwickeltes und patentiertes Verriegelungssystem für Klappmesser. Die für ihre Innovationen bekannte amerikanische Marke hat mit dem Compression Lock ein besonders wirksames und einfach zu bedienendes System geschaffen. Eine Platine im oberen Teil des Griffs verriegelt die Klinge. Zum Entriegeln genügt ein Druck mit dem Daumen.
Weitere Verriegelungssysteme für Klappmesser
In diesem Abschnitt werden Systeme anderer Hersteller vorgestellt. Es handelt sich also um eine herstellerübergreifende Übersicht unterschiedlicher Mechanismen.
Descy Lock
Dieses System ähnelt dem Ball Bearing Lock, kommt aber ohne Kugeln aus. Ein stößelartiger Mechanismus verriegelt die Klinge. Der Descy Lock ist nach seinem Entwickler, dem Messermacher Alain Descy, benannt.
Arc Lock
Dieses von SOG entwickelte System lässt sich mit beiden Händen einhändig bedienen. Es ist robust und schützt die Finger, da sie beim Verriegeln nicht im Weg sind.
Action 2
Action 2 ist ein Verriegelungssystem bei Automatikmessern. Ein Schalter am Griff ermöglicht den Wechsel zwischen automatischer und manueller Bedienung. Dieses Verriegelungssystem ist typisch für die Marke Boker.
Wenn Sie bis hierhin gelesen haben, kennen Sie bereits die wichtigsten Verschluss- und Verriegelungssysteme für Klappmesser. Wir wollten Ihnen die am häufigsten anzutreffenden Systeme vorstellen. Die obige Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit: Es gibt zahlreiche Verriegelungssysteme für Klappmesser. Die grundlegenden Mechanismen sind jedoch abgedeckt; andere Modelle auf dem Markt sind Varianten davon.